Es gibt vierzehn BGM-Qualitätskriterien. Sie umfassen Aspekte, die für die Gesundheit, die Motivation und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden im Betrieb eine wichtige Rolle spielen und die es für ein modernes und wirkungsvolles BGM zu beachten gilt.

Die Qualitätskriterien für BGM bieten Ihnen eine Hilfestellung und Orientierung bei der Einführung und der Vereinheitlichung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements in Ihrem Betrieb. Auf einen Blick wird klar, worauf Sie achten müssen, um die Voraussetzungen für gesundes Arbeiten sicherzustellen. Bestehende Massnahmen, Angebote und Instrumente werden in ein «Gesamtsystem BGM» eingeordnet.
Die Qualitätskriterien erlauben ausserdem eine systematische Selbstbewertung Ihres BGM, beispielsweise mit Hilfe des kostenlosen BGM-Checks. Die Ergebnisse verdeutlichen, wo in Ihrem Betrieb Stärken und wo Verbesserungsmöglichkeiten liegen und helfen mit, zukünftige Massnahmen festzulegen.
Gesundheitsförderung Schweiz stellt Ihnen Unterlagen und Angebote im Zusammenhang mit den Qualitätskriterien kostenlos zur Verfügung. Sie können diese für den Aufbau und die Umsetzung Ihres BGM nutzen.
Gesundheitsförderung Schweiz hat die BGM-Qualitätskriterien gemeinsam mit führenden Schweizer Unternehmen entwickelt. Die BGM-Kriterien sind evidenzbasiert. Sie werden vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco und vom Bundesamt für Gesundheit BAG getragen. Die BGM-Kriterien gliedern sich in die beiden Bereiche «Steuerung» und «Umsetzung», die in fünf Themenfelder aufgegliedert sind.
Werte sind Prinzipien und Überzeugungen, die in einer Organisation das Handeln und die Entscheidungen leiten. Sie widerspiegeln, wofür die Organisation steht und was sie ausmacht (Identität). Werte spielen auch für die Führung und die strategische Ausrichtung eines Unternehmens eine wichtige Rolle und sind ein wesentlicher Teil der Organisationskultur. Das BGM-Kriterium «Werte» fordert, dass gesundheitsrelevante Werte wie Respekt, Wertschätzung, Partizipation oder Transparenz in der Organisation und im betrieblichen Alltag einen hohen Stellenwert haben und in wichtige Entscheidungen miteinfliessen.
BGM hat einen nachhaltigen Einfluss auf die Gesundheit, die Motivation und die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden. BGM-Massnahmen können beispielsweise Belastungen und Absenzen reduzieren oder die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Das zeigen zahlreiche Studien. In diesem Kriterium geht es darum, dass Firmen auf strategischer Ebene die Wirkung definieren, die sie mit BGM erreichen wollen und festlegen, welchen Beitrag oder Mehrwert BGM leisten soll. Dabei steht die Frage im Zentrum, wieso BGM für den Betrieb wichtig ist und was längerfristig damit verbessert und erreicht werden soll.
Der Betrieb stellt sicher, dass er regelmässig die Belastungen, die Ressourcen, gesundheitliche Aspekte und die Motivation analysiert und auswertet. Damit wird ersichtlich, was in einer Organisation gut läuft, wo der Schuh drückt, welche Berufsgruppen oder Funktionen besonders belastet sind und welche Ressourcen gepflegt werden sollten. Eine Analyse ermöglicht, dass der Betrieb daraus passende Massnahmen ableiten und umsetzen kann. Dadurch wird sichergestellt, dass die umgesetzten Massnahmen einen Bedarf abdecken und eine Verbesserung bewirken können. Die in der Analyse erhobenen gesundheitsrelevanten Indikatoren dienen auch dazu, die Ziele und die Wirkung des BGM zu überprüfen.
Aus den Ergebnissen der Analyse definiert der Betrieb gemeinsam mit den betroffenen Teams oder Berufsgruppen Handlungsfelder und Massnahmen. Ziel ist es, Belastungen zu reduzieren oder fehlende Ressourcen zu fördern. Handlungsfelder setzen bei verschiedenen Themen an wie beispielsweise der psychischen Gesundheit, dem Betriebsklima oder der Fehlerkultur. Einige Handlungsfelder betreffen die gesamte Organisation, andere nur gewisse Funktionen, Organisationseinheiten oder Berufsgruppen. Die neuen oder optimierten BGM-Massnahmen tragen zu einer gesunden Organisation und damit zum Unternehmenserfolg bei.
Das Management legt fest, wer im Betrieb für das BGM zuständig ist und definiert die Aufgaben, die Verantwortlichkeiten und die Ressourcen für die Steuerung und die Umsetzung von BGM. Es stellt ausserdem die für das BGM erforderlichen Ressourcen bereit. Das BGM kann sowohl aus einer einzelnen Person bestehen, die alle BGM-Funktionen ausübt, als auch von einem breit aufgestellten Gremium aus BGM-Expertinnen und -Experten.
Die BGM-Verantwortlichen kommunizieren ihre Vorhaben, Angebote, Anlaufstellen sowie die Ergebnisse des BGM intern über geeignete Kanäle. Ziel ist es, dass das Personal über die BGM-Aktivitäten informiert ist und sich daran beteiligen kann. Die Einbindung von Mitarbeitenden als Gesundheitsbotschafterinnen und -Botschafter kann das Engagement und die Beteiligung fördern.

Der Betrieb stellt sicher, dass die Arbeitsplätze, die Arbeitsmittel und die Umgebungsfaktoren ergonomisch gestaltet sind. Die Arbeitsumgebung hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wohl sich jemand bei der Arbeit fühlt und wie effizient und gesundheitsförderlich Tätigkeiten ausgeführt werden können. Die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Mitarbeitenden sollen bei der Gestaltung der Arbeitsplätze, Arbeitsmittel und Umgebungsfaktoren berücksichtigt werden. Zentral ist ausserdem, dass Mitarbeitende für die gesundheitsförderliche Nutzung der Infrastruktur und der Arbeitsmittel befähigt werden. Damit lassen sich gesundheitliche Probleme wie Verspannungen, Abnutzungserscheinungen bis hin zu chronischen Beschwerden vorbeugen.
Die Arbeitsorganisation und die Arbeitstätigkeiten von Mitarbeitenden sollen gesundheitsförderlich gestaltet sein. Damit gemeint sind zum Beispiel abwechslungsreiche Tätigkeiten, Raum zur Mitgestaltung, Aufgaben, die von Anfang bis Ende mitverfolgt und relativ selbstständig erledigt werden können. Wichtig für die Gesundheit ist ausserdem, dass Mitarbeitende das Berufs- und Privatleben möglichst optimal vereinbaren können.
Das Verhalten von Führungskräften hat einen grossen Einfluss auf die (psychische) Gesundheit und die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden. Mitarbeitende, die ihre Führungsperson positiv einschätzen, sind zufriedener, weniger erschöpft, arbeiten effektiver und berichten von weniger psychosomatischen Beschwerden. Ein gesundheitsorientierter Führungsstil bedeutet beispielsweise, dass die Führungsperson wertschätzend kommuniziert, regelmässiges und konstruktives Feedback gibt, Leistungen anerkennt und Interesse zeigt. Auch das Team, die Zusammenarbeit und die Arbeitsatmosphäre beeinflussen die Gesundheit massgeblich. Teams, die gut zusammenarbeiten, bewältigen Drucksituationen bei der Arbeit besser und bleiben eher gesund. Tipps und Tools zur Teamentwicklung sind in der HR-Toolbox und im Leadership-Kit von Gesundheitsförderung Schweiz zu finden.
Mitarbeitende sollen sich aktiv an der Umsetzung gesundheitsrelevanter Massnahmen und Entscheidungen sowie an der Gestaltung der täglichen Arbeit beteiligen können. Partizipation bedeutet, den Mitarbeitenden eine Stimme zu geben, ihre Perspektiven zu berücksichtigen und sie in Entscheidungsprozesse und in die Entwicklung von Lösungen einzubeziehen. Partizipation steigert die Arbeitszufriedenheit, das Engagement und die Innovation. Ausserdem steigt bei partizipativ entwickelten Lösungen die Akzeptanz für Neuerungen oder Veränderungen.
Das Kriterium «Job-Passung» fordert, dass der Betrieb von der Rekrutierung bis zum Austritt regelmässig die Job-Anforderungen mit den individuellen Fähigkeiten und Voraussetzungen der Mitarbeitenden abgleicht. Eine hohe Passung vermittelt das Gefühl von Kompetenz und führt zu einer höheren Arbeitszufriedenheit, Motivation und einer besseren Leistung. Die Mitarbeitenden erleben weniger Über- oder Unterforderung und dadurch weniger Stress oder Frustration bei der Arbeit.
Der Betrieb fördert die arbeits- und arbeitsmarktbezogenen Kompetenzen der Mitarbeitenden. Sich bei der Arbeit weiterentwickeln zu können, neue Kompetenzen zu erlernen oder vorhandene auszubauen, entspricht einem menschlichen Bedürfnis. Kompetenzen können direkt bei der Arbeit gefördert werden zum Beispiel durch das Annehmen herausfordernder Aufgaben oder das Ausprobieren von Neuem. Auch in Aus- und Weiterbildungen können sich Mitarbeitende neues Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen.
Mitarbeitende sollen für Gesundheitsthemen sensibilisiert und zu gesundem Verhalten motiviert werden. Mögliche Themen sind Schlaf, Suchtprävention, Entspannung oder Mobbingprävention. Das Angebot, mit welchen der Betrieb das gesunde Verhalten fördern will, sollten zum Bedarf der Mitarbeitenden passen. Beispiele für solche Angebote sind bewegte Pausen, ein Ruheraum, Angebote für eine gesunde Ernährung, Kampagnen zur Förderung der psychischen Gesundheit oder Inputs zur Prävention von Konflikten.
Der Betrieb definiert, wie er vorgeht, wenn sich bei Mitarbeitenden Auffälligkeiten zeigen, Absenzen häufen, Unterstützungsbedarf oder eine Wiedereingliederung angezeigt sind. Früherkennung und Frühintervention bedeuten, dass Vorgesetzte möglichst frühzeitig auf erste Anzeichen von Belastungen oder Verhaltensänderungen reagieren und geeignete Unterstützungsmassnehmen einleiten. Strukturierte Prozesse für den Umgang mit Kurzzeit- und Langzeitabsenzen stellen eine einheitliche Behandlung aller Mitarbeitende sicher. Sie unterstützen zudem die Wiedereingliederung und können so die Dauer von Absenzen verkürzen.
«Friendly Work Space» ist ein Label von Gesundheitsförderung Schweiz. Es zeichnet Betriebe aus, die sich systematisch für gesunde Mitarbeitende und gute Arbeitsbedingungen einsetzen. «Friendly Work Space»-Betriebe erfüllen die vierzehn BGM-Qualitätskriterien und weisen diese in einem kostenpflichtigen Assessment nach.
Erfahren Sie, wie Unternehmen das Label Friendly Work Space erlangt haben und BGM systematisch umsetzen.
Zu den Qualitätskriterien für das BGM und zum Label «Friendly Work Space» gibt es hilfreiche Unterlagen und Tools. Einen schnellen Überblick vermittelt die Kriterienlandschaft. Die Bewertungsmatrix dient als Grundlage für die Beurteilung der BGM-Kriterien im Rahmen eines Self-Assessments oder eines Label-Assessments für das Label «Friedly Work Space». Die Wegleitung Qualitätskriterien BGM zeigt praxisnah auf, wie BGM umgesetzt werden kann.
Gesundheitsförderung Schweiz / Arbeitsgruppe BGM-Kriterien (2025). Wegleitung zu den Qualitätskriterien für ein systematisches BGM. Gesundheitsförderung Schweiz, Version 1.0.